MoodleNet – Wie das #twitterlehrerzimmer, nur besser (?)

Announcement Date: 6. März 2020

TL;DR: In diesem Blog-Post soll das Projekt MoodleNet und dessen Technologie kurz vorgestellt werden. MoodleNet entwickelt mit Hilfe des Social Network Protokolls ActivityPub einen Community-basierten Ansatz, um Lehr- und Lernmaterialien besser auffindbar und teilbar zu machen.

Eines der größten Probleme, die Open Educational Resources betreffen, ist deren Sichtbarmachung, besonders für Einzelpersonen. Frei lizenziertes Material findet sich bereits zuhauf im Internet, doch um es zu nutzen oder zu remixen, muss es zunächst einmal gefunden werden. Dieses Thema wurde auch im Jahr 2019 von Matthias Andrasch und Nele Hirsch aufgegriffen und mündete in zwei verschiedenen Ansätzen:

Während in einem zentralen Index möglichst umfassend eine Sammlung aller verfügbaren OER-Repositorien und deren Materialien angestrebt wird, hat eine dezentrale OER-Suchmaschine einen anderen Ansatz: Ich möchte selbst Materialien hinzufügen können und so eine personalisierte Suche erhalten.

Dieser Ansatz adressiert ein wesentliches Problem des zentralen Ansatzes

Wie bekomme ich mein Material in einen zentralen OER-Index, damit sie gefunden werden? 

Falls ich nicht die Möglichkeit besitze mein Material auf eines der Repositorien hochzuladen, die vom zentralen OER-Index durchsucht werden, habe ich Schwierigkeiten, mein Material in so einem Index zu platzieren. Aber auch in dem geschilderten dezentralen Ansatz gibt es ein Problem:

Wie kann ich mit anderen Menschen meinen persönlichen Index teilen? Wie kann ich ihnen mitteilen, dass ich ein gutes Material gefunden oder erstellt habe?

Dieses Problem treibt (nicht nur) die #OER-Community bereits länger um und führte zu verschiedenen Lösungsansätzen, wie bspw. Social Bookmarking-Ansätzen, von denen sich bisher jedoch keiner großflächig durchsetzen konnte.

Social Bookmarking

Edutags versuchte dieses Problem mit dem Ansatz des „Social Bookmarkings“ anzugehen: User:innen können sich dort registrieren, interessante Webseiten bookmarken und diese anderen zur Verfügung stellen. Es wird sogar ein Browser-Addon angeboten, um Seiten schneller markieren zu können. Auch andere Bookmarking-Tools wie shaarli oder getPinry werden in der Community diskutiert, um das Problem der Auffindbarkeit und des Teilens anzugehen. MoodleNet greift diesen Ansatz auf und entwickelt ihn mittels des neuen Social Networking Standards AcitivityPub weiter.

ActivityPub

ActivityPub? ActivityPub ist ein offenes Protokoll für dezentrale soziale Netzwerke, das vom W3C als Standard eingeführt wurde. Zweck dieser Einführung ist es, einen Standard zu definieren, wie Interaktionen auf Social Network Kanälen funktionieren, also beispielsweise das gegenseitige Folgen, das Liken und das Schicken von Nachrichten.

Und wozu wird so etwas benötigt?

Ganz grob vereinfacht, ermöglicht das Nutzen dieses Protokolls, das sich verschiedene Social Networking Apps dezentral zu einem sozialen Netzwerk zusammenschließen können. Jede, die es möchte (und dazu technisch in der Lage ist), könnte ihren eigenen kleinen Social-Network-Server betreiben (oder natürlich auch mit vielen anderen Menschen zusammen einen) und dieser könnte sich mit allen anderen Social-Network-Servern verbinden, sodass wir auch die Nachrichten von den Menschen lesen können, die gar nicht auf unserem eigenen Server registriert sind. Möglich macht dies die Tatsache, dass alle dasselbe Protokoll (i.e. ActivityPub) benutzen. Ein prominentes Beispiel für das Nutzen dieses Protokolls für eine Social Media Plattform ist beispielsweise Mastodon.

MoodleNet

Aber wie kann uns das im Bildungs- und OER-Bereich helfen? MoodleNet, eine neue, offene Social Media Plattform für Lernende, macht es vor: Wie bei jeder anderen sozialen Plattform (Twitter, Facebook,…) kann ich Personen folgen. Genauso kann ich dort aber auch Communities folgen, die beispielsweise “Collections” zu bestimmten Themen anlegen und dort Material hochladen (und dieses bspw. direkt in meinem Moodle-Kursen verwenden).

Ein anschauliches Beispiel gibt dieses kürzlich veröffentlichte Video von MoodleNet:

https://blog.moodle.net/2020/moodlenet-0-10-beta-demo/

Mit Hilfe dieses dezentralen Ansatzes könnte ich also “Communities” oder “Collections” folgen und dort mein Material hochladen. Ganz ähnlich dem Community-Ansatz der seit letztem Jahr auch in den OER-Werkstätten verfolgt wird. Gemeinsam ließe sich so über Material diskutieren, dieses gemeinsam verbessern und wieder anderen Menschen zur Verfügung stellen. Denn, wie auch in dem Video gezeigt wird, kann über die Suche das Material auch übergreifend wieder aufgefunden werden. MoodleNet befindet sich derzeit in einer Test-Phase und wird voraussichtlich ab Mai in Version 3.9 von Moodle eingeführt.

Ausblick: SkoHub-Integration

“Super, endlich haben wir ein soziales Bildungsnetzwerk und können Material übergreifend teilen und auch finden!” Klingt gut? Es kann noch besser werden! Suchen und finden sind beide mit einem wesentlichen Aspekt verbunden, der allerdings auf Grund seiner Unattraktivität oft vernachlässigt wird: Metadaten. Damit eine (Such-)Maschine ein Material finden kann, benötigt es Metadaten, also Daten über mein Material. Nun bringt die Arbeit mit Menschen es mit sich, dass sie oft dieselben Dinge meinen, sie jedoch anders bezeichnen. Denken wir beispielsweise an eine Fächerzuordnung: Die eine weist ihr Material dem Begriff “Bio”, die andere “Biologie”, der dritte verschreibt sich und nennt es “Bilologie” zu. Nun mag eine Suchmaschine noch schlau programmiert sein und zeigt unter dem Suchbegriff “Bio” auch die Materialien an, die mit “Biologie”, aber andersherum könnte es schon schwierig werden und das “Bilologie”-Material findet eventuell niemand mehr. Also was tun? (diese Darstellung ist natürlich stark vereinfacht, aber es sollte klar sein, was gemeint ist)

Ein Lösungsansatz ist die Verwendung einheitlicher Vokabulare. SKOS ist ein Standard, in dem diese definiert werden können und das Projekt SkoHub hat einige Tools entwickelt, mit denen sich das oben aufgezeigte Problem angehen ließe. Im weiteren Verlauf des Projektes ist außerdem geplant, dass die Vokabulare mittels KI-Technologie “intelligent” vorgeschlagen werden können.

Hier wieder ein kurzes Video, in dem Adrian Pohl vom hbz und Felix Ostrowski SkoHub vorstellen: 

https://youtu.be/9cmkKPC3jlo

So ließe sich also mit Hilfe der SkoHub-Extension jedes Material im Internet unkompliziert einer Community oder Collection hinzufügen und jeder, der einer entsprechenden “Inbox” der Community oder Collection folgt, bekommt eine Nachricht in seiner Timeline angezeigt. Ein großes #twitterlehrerzimmer, allerdings mit Fokus auf dem Erstellen und Kuratieren von Material. Gespräche über Integrationen von SkoHub und MoodleNet laufen bereits.

Einschätzung

MoodleNet verspricht einen innovativen, Community basierten Ansatz, wie er seit einiger Zeit auch in den OER-Werkstätten versucht wird zu leben. Interessierte Menschen vernetzen sich und arbeiten gemeinsam an freien Bildungsmaterialien. Der Ansatz setzt auf dem offenen Standard ActivityPub auf und verwendet Open Source Produkte. Dies ermöglicht die Weiterentwicklung und Anbindung weiterer Tools. Insgesamt erscheint das Projekt sehr vielversprechend und eine Anbindung an vorhandene Moodle-Instanzen äußerst reizvoll. Da eine Demo-Umgebung zur Zeit noch nicht zur Verfügung steht, konnten noch keine eigenständigen Tests durchgeführt werden.

Links

Fragen und Anmerkungen?

Diskutiert gerne mit mir auf Twitter (@steffenr42) oder Mastodon (@laocoon@mstdn.social)

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